Heideerlebnisspfad PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Auf dem Heideerlebnispfad

Neben dem im Kellerwald vorherrschenden Buchenwald gibt es im Sommer auch kleine Farbtupfer im und um den Nationalpark, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Früher weit verbreitet, findet man heute nur noch wenige Standorte, die von einer Jahrhunderte währenden Beweidung mit Schafen und Rindern zeugen. So konnten sich in den Vergangenheit an den Hängen und Hochflächen im Kellerwald auf nährstoffarmen Böden offene Heidelandschaften und sogenannte Magerrasen entwickeln. Insbesondere im Südwesten des Nationalparks sind Relikte dieser historischen Nutzung zu beobachten.

In die Wanderung ist als kulturhistorische Besonderheit auch das "Fahrentriesch" - eine alte Rodungsinsel nördlich des Nationalparkdorfs Altenlotheim - einbezogen woren. Im Verlauf dieser kleinen Exkursion präsentieren sich verschiedene Heiden und bunte Grasflächen als Zeugnisse der ehemaligen Nutzung. Zum Erhalt dieser bedeutenden Lebensräume ist eine Beweidung bzw. Pflege der Flächen mit Schafen und Ziegen erforderlich. So sind bei diesem Streifzug durch vergangene Zeiten heute wieder an bestimmten Tagen Schafe und Ziegen zu erblicken, die in Form der Wanderschäferei über die Flächen ziehen.

Auf dem knapp 7 km langen Heideerlebnispfad begeben wir uns auf eine landschaftlich reizvolle Wanderung oberhalb des Nationalparkdorfes Altenlotheim. Als Ausgangspunkt eignet sich ein kleiner Abzweig an der L 3085 am Eingang zum Nationalpark. Die Route ist als Rundwanderweg mit einem Abstich zum "Fahrentriesch" angelegt. Im Gelände begleitet Sie das Symbol eines Heidschnuckenkopfes sicher zum Ausgangsort zurück. Einkehrmöglichkeiten sind im Ort vorhanden. Grundsätzlich empfehlen wir festes Schuhwerk. Und wie immer bitten wir Sie auf den Wegen zu bleiben.

1. Station: Naturdenkmal "Am Küppel"Heidenblütenpfad am Küppel

Südlich von Altenlotheim trifft man auf das Naturdenkmal "Am Küppel". Hier zeigt sich vor allem die Besenheide (Calluna vulgaris), die im August schon von weitem rotleuchtend die typische Heidelandschaft charakterisiert. Dort wächst auch der Wacholder (Juniperus communis), dessen Beeren zum Räuchern von Schinken, als Heilmittel bei Magenleiden und bei der Schnapsherstellung Verwendung finden.
Mit viel Glück kann man die hier lebende, ungiftige, bis zu 70 cm lange Schlingnatter (Coroanella austriaca) zu Gesicht bekommen. Sie bevorzugt offene Heide- und Felsbereiche mit entsprechenden Versteckmöglichkeiten und geeigneten Sonnplätzen. Ein ausreichendes Nahrungsangebot in Form von Eidechsen, Mäusen und anderen Kleintieren muss selbstverständlich vorhanden sein.




2. Station: Heidelbeerheide "Am Hainchen" Am Hainchen

Reste einer sogenannten Hutefläche zeigen sich "Am Hainchen" unserer zweiten Station auf dem Weg zum "Fahrentriesch". Hier befinden sich zahlreiche auffällig gelbblühende Pflanzenarten wie Blutwurz (Potentilla erecta), Färberginster (Genista tinctoria) oder Johanniskraut (Hypericum maculatum), wobei mit der wohlschmeckenden Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ein weithin bekannter Strauch am häufigsten vorkommt. Mit dem Ausbleiben der historischen Nutzung und dem Vordringen von Schwarz- und Weißdorn (Prunus spinosa, Crataegus ssp.) hat der Wald in diesem Bereich bereits schon wieder weite Flächen zurückerobert. Nur wenn Schafe und Ziegen diese Flächen wieder beweiden, ist der Erhalt und die Ausdehnung dieser wertvollen Biotope möglich.



3. Station: Magerrasen auf der "Koppe"

Blütenreiche Magerrasen sind auf der "Koppe" anzutreffen. Auf diesen Flächen gesellen sich mit dem Thymian (Thymus pulegioides), der Heidenelke (Dianthus deltoides), dem Bergsandglöckchen (Jasione montana), dem Deutschen Ginster (Genista germanica) und der Weißen Waldhyazinthe (Plantanthera bifolia) Pflanzenarten, die auf den sogenannten "Silikatmagerrasen" beheimatet sind. Typischer Weise ist auf diesem warmen Schiefergestein eine beachtliche Artenvielfalt anzutreffen. Die Blütenbracht lockt an sonnigen Tagen zahllose Insekten an. Besonders bei Windstille kann man Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz (Papilio machaon), den Großen Schillerfalter (Apatura iris) oder den Großen Perlmuttfalter (Argynnis aglaia) von Blüte zu Blüte fliegend beim Nektarsaugen und seltene Heuschrecken beobachten. Magerrasen und Wacholderheide markieren den Übergang von der freien Landschaft in den großen Wald.



4. Station: Magerrasen am "Fahrentriesch"Fahrentriesch

Am Ziel unserer Wanderung gelangen wir auf das "Fahrentriesch". Die großen offenen, im 14. Jahrhundert nach der Rodung des Waldes kurzzeitig besiedelten Flächen, konnten seinerzeit aufgrund der rauhen lebensfeindlichen Bedingungen nicht dauerhaft gehalten werden und vielen bald wieder "wüst". Von nun an wurden die Bereiche als gemeinschaftliches Weideland (Triesch) von Kleinbauern aus Alten- und Schmittlotheim genutzt. Auf diesen von Bewaldung freigehaltenen Flächen konnten sich seltene Lebensgemeinschaften entwickeln, die bis heute vielen botanischen Besonderheiten wie Arnika (Arnica montana), Waldläusekraut (Pedicularis sylvatica) und Katzenpfötchen (Antennaria dioica) geeignete Lebensbedingungen bieten. Dazu kommen seltene Tierarten, wie der Schwarzfleckige Heidegrashüpfer (Stenobothrus nigromaculatus) oder der Raubwürger (Lanius exubitor).

Heute ist hier das Rhönschaf zu Hause, welches in großen Herden über das Triesch zieht. Diese Beweidung ist eine Ausnahme von der allgemeinen Wildniszielsetzung des Nationalparks, um die natürliche Wiederbewaldung des Triesches zu verhindern.





Heideblütenfest

Die Bedeutung dieser traditionellen Landschaftsausschnitte wird durch das Heideblütenfest in Altenlotheim, Rechnung getragen. Es findet jeweils im August statt und ist für groß und klein ein echtes Erlebnis. In dieser "neuen" Tradition versteht sich auch der Heideerlebnispfad von Altenlotheim zum "Fahrentriesch" als eine wichtige "Zutat" unserer Kellerwälder Spezialitäten. Als Entdecker im heimischen Tier- und Pflanzenreich lassen sich vor allem Kinder von dem erlebnisorientierten Angebot leicht begeistern. Lassen Sie sich überraschen!

Auf etwa 7 km Länge können in einer gemütlichen Tour zahlreiche Besonderheiten rund um unsere Heiden entdeckt werden. Besonders in den Früh- und Abendstunden eröffnen sich dem Gast großartige Licht- und Farbenspiele.

Für das leibliche Wohl ist selbstverständlich bestens gesorgt. Mit Schafs- und Ziegenkäse sowie Fleich- und Wurstwaren kann die Paletteregionaler Produkte auch kulinarisch punkten.



Weitergehende Informationen insbesondere zu geführten Wanderungen und speziellen Veranstaltungen erhalten Sie beim Nationalparkamt unter 05623-93340 oder im Internet unter www.buchenmeer.de


(Quelle: Informationsbroschüre des Nationalparkamtes Kellerwald-Edersee "Wo die Heide blüht ...")

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. April 2011 um 07:28 Uhr